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Buchbesprechung

     

Angela Schwarz (2017, Hg.): "Streitfall Evolution: Eine Kulturgeschichte" 


Böhlau-Verlag, Köln. ISBN: 978-3412507145. Preis: 50,- €

     

Als Herausgeberin des Kompendiums zeichnet Angela SCHWARZ. Sie ist Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Siegen. Anhand unterschiedlicher disziplinärer Perspektiven haben aus elf Ländern stammende Autorinnen und Autoren ein breites Themenspektrum präsentiert, wobei auch nach der Zukunft des "Streitfalls Evolution" gefragt wird. 

Im Buchhandel wird das Buch zum Preis von 50 Euro angeboten, was angesichts des Umfangs von 788 Seiten und ca. 300, zumeist farbigen Abbildungen, nicht überhöht ist. Mit einer Übergröße und einem Gewicht von ca. 2,5 kg dürfte die Grenze der Handlichkeit erreicht sein. Vielleicht wäre eine zweibändige Ausgabe praktikabler gewesen mit ergänzenden Themenbereichen, die nicht behandelt bzw. unterbelichtet sind. Ursprünglich war das Buch auf über 1000 Seiten angelegt. 

Im Klappentext wird die Intention des Buches wie folgt angegeben: 

"Als Charles Darwin im Jahr 1859 seine Theorie einer Evolution der Arten durch natürliche Auslese veröffentlichte, sah er bereits eine große Debatte voraus, jedoch nicht deren Ausstrahlungskraft und Langlebigkeit. Zu Beginn standen die Folgen für die Wissenschaften, den Glauben an Gott und die Moralvorstellungen im Vordergrund. Bald kamen Überlegungen über Gesellschaft, Politik, internationale Beziehungen und über Eingriffe bis hinunter auf die Ebene des Individuums und seines Erbmaterials, seiner Gene hinzu. Sozialdarwinismus, Eugenik, Rassismus galten zeitweise als wissenschaftlich legitime Diskussions- und Politikfelder. Befürchtungen vor einem vermeintlichen Niedergang lassen sich bis heute angesichts der Biologisierung des Denkens scheinbar wissenschaftlich objektiv untermauern. Gegenwärtig sind die Kontroversen noch vielfältiger, beziehen weit mehr Menschen ein als im späten 19. Jahrhundert, haben weit gravierendere Auswirkungen". 

   

Soweit die Darstellungsweise anhand des Klappentextes, wobei unklar ist, was man sich unter einem Begriff wie "Biologisierung des Denkens" vorzustellen hat. 

Das Buch bietet Fachleuten und interessierten Laien eine Fülle von Informationen aus unterschiedlichen disziplinären und interdisziplinären Perspektiven (u.a. Geschichte, Wissenschaftsgeschichte, Naturwissenschaft, Theologie, Soziologie, Politikwissenschaft, Medienwissenschaft) - im zeitlichen Ablauf seit Entstehung der DARWIN'schen Evolutionstheorie bis zum aktuellen Forschungsstand verfasst. 

Die vorgelegte Veröffentlichung ist äußerst weit gefächert. Sie reicht von den Anfängen einer öffentlichen Debatte über den Wandel der Evolutionskonzepte im Zeitverlauf, behandelt die Einflüsse DARWINs auf die visuelle Kultur (Fotografie), die Rekonstruktionen des vorzeitlichen Menschen im Museum und geht bis zur Streitfrage "Evolution oder Schöpfung?", das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Kreationismus (bzw. Intelligent Design) betreffend. Des Weiteren werden sozialdarwinistische Ideen im 19. Jahrhundert, die Eugenik zwischen Realität und Fiktion, Debatten im Zeitalter des Genoms, Biotechnologie, Gentechnik und der Mensch in der Schöpferrolle behandelt, um nur einige Aspekte zu erwähnen. Schließlich endet der Band mit der Darstellung der Evolution in der Gegenwart (u. a. Richard Dawkins und die Popularisierung der Evolutionstheorie, das DARWIN-Jahr 2009 in der Presse, DARWIN und die Evolutionstheorie in Warenwelt und Popkultur des 21. Jahrhunderts). 

Kritisch anzumerken ist, dass die Rolle, die evolutionstheoretische Gedanken in den modernen Wissenschaften spielen und gespielt haben, in dem Band nicht angemessen beleuchtet wird. Man sollte nicht vergessen, dass evolutionäre Prinzipien auch heute noch entscheidend zu Problemlösungen beitragen, beispielsweise in der Evolutionären Biotechnologie. Beiträge, die dies erörtern, fehlen ebenso wie entsprechende Quellenangaben. Um nur ein Beispiel anzuführen, sei die Veröffentlichung von Martin NEUKAMM (Hrsg.) erwähnt: "DARWIN HEUTE - Evolution als Leitbild in den modernen Wissenschaften", Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 2014. 

Der Stand und Einfluss der Evolutionstheorie sowie Gegenpositionen in verschiedenen Ländern (USA, Großbritannien, Russland, China) werden ausführlich dokumentiert. Die Entwicklung in der Türkei bleibt leider außen vor. 

Im Anhang des Buches werden Bildnachweise, Personenregister sowie der wissenschaftliche Werdegang der Autorinnen und Autoren angegeben. 

Fazit: Der Schwerpunkt des Buches bezieht sich auf die Kulturgeschichte des "Streitfalls Evolution" und ist in dieser Breite der Darstellung mit hervorragender Quellenlage eine Bereicherung und Ergänzung für alle diejenigen, die sich mit den Gegnern der Evolutionstheorie auseinandersetzen. Darüber hinaus ist das Buch als Informationsquelle für eine interessierte Leserschaft sehr zu empfehlen. 

     

   

Autor: Wolfgang Jähnig

     

     

          

     

   

                        

              

   


© AG Evolutionsbiologie des VBio.          10.01.2018